Die letzten Wochen verbrachten Sev und ich in Guatemala. Zum Glueck haben wir uns von zahlreichen Horrorberichten ueber die Sicherheitssituation hier nicht abhalten lassen und lernten so ein wunderbar vielfaeltiges Land kennen. Von dem was Guatemala an Kultur und Landschaften bieten kann, war es vermutlich sogar der Hoehepunkt der bisherigen Mittelamerikanischen Laender!
Den Start machte die Kolonialstadt Antigua, die zwar durch unzaehlige Sprachschulen von vielen Touristen heimgesucht wird, aber sich trotzem ein ganz besonderes Flair bewahrt hat. Groesstenteils einstoeckige, bunte Haeuser, enge Kopfsteinpflasterstrassen und ein herrlich lebhafter Hauptplatz machten Spaziergaenge durch die Gassen immer sehr gemuetlich. Wie es sich fuer mittelamerikanische Staedte so gehoert, ist Antigua auch zwischen zwei Vulkanen gelegen und die Auswirkungen dieser seismischen Aktivitaet sind weithin sichtbar. In der Vergangenheit von Erdbeben heimgesucht, wandert man haeufig an Ruinen, vor allem von Kirchen, die nicht wieder aufgebaut wurden, vorbei. Ein Erdbeben erlebten wir auch selber mit, alles schwankte ziemlich, dass es aber tatsaechlich 6,7 auf der Richterskala erreichte, wie wir tags darauf im Internet nachlesen konnten, haetten wir uns nicht gedacht. Zum Glueck ist in unserer Gegend nicht viel passiert, das Zentrum lag nicht direkt in Antigua.
Von Antigua aus machten wir auch (wieder einmal) eine Tour zu einem Vulkan. Inzwischen haben wir von erloschenen bis zu aktiven Vulkanen so ziemlich alles gesehen, aber der Vulkan Pacaya diesmal war sicher "as much vulcano as it can get". Schon beim Aufstieg war die gruene Wiesenlandschaft immer wieder von Fluessen aus erstarrter Lava durchzogen. Auf einem Plateau angekommen konnten wir zum spuckenden Krater hinaufsehen, von dem aus sich zahlreiche Lavastroeme hinunterzogen. Zu einem dieser Stroeme stiegen wir auf und wanderten dabei ueber erst kuerzlich erstarrte Lava, unter der wir noch gluehende Lava durchscheinen sehen konnten. Bei einem offenen Strom angekommen konnten uns von der Zaehfluessigkeit der Lava ueberzeugen, indem wir mit einem Holzstock drin herumbohrten. Von der Hitze konnten wir uns ebenfalls ueberzeugen, der Stock fing nach wenigen Sekunden an zu brennen und nach ca einer halben Minute in mehr als 2m Naehe hatte man das Gefuehl, dass mit unserer Haut das selbe passiert. Ein sehr eindrucksvolles Erlebnis!
Nach Antigua gings weiter zum Lago Atitlan, den viele als schoensten See der Welt bezeichnen. Das unter anderem deshalb, weil er (wie koennte es in Zentralamerika anders sein) von 2 Vulkanen gesaeumt wird. Bei uns war die Sicht nicht immer optimal, aber zum Schwimmen, Kayakfahren und Klippenspringen reichte das Wetter allemal aus. Ebenso zu einem Ausflug in eines der stark von den Maya gepraegten Doerfer. Der Anteil der Maya an der Bevoelkerung Guatemalas betraegt ueber 50% und in den Hochlaendern rund um den Lago Atitlan ist er besonders hoch. Der Grossteil der Bevoelkerung spricht dort noch Maya Dialekte und nur sehr schlechtes Spanisch (ungefaehr unser Niveau also). Die Lebendigkeit der Kultur der Maya und ihrer Traditionen erlebten wir vor allem in Chichicastenango, wo wir den Sonntagsmarkt besuchten. Fast alle Frauen tragen dort noch ihre traditionelle Kleidung und auf den Kirchenstufen werden nach alten Ritualen Kraeuter verbrannt. Ein sehr farbenpraechtiges Erlebnis! Aufregend war dann besonders die Fahrt zurueck nach Antigua in einem Chicken Bus, der mit 100km/h durch die Bergstrassen faehrt und so voll besetzt wird, dass man gar keine andere Moeglichkeit hat, als 4 Stunden in in irgendeiner aeusserst unbequemen Position zu verharren und jegliche Annaeherungsversuche der lokalen Bevoelkerung (Nachbar schlaeft auf meiner Schulter ein) willenlos akzeptieren muss.
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Die naechste Station war das Naturparadies von Semuc Champey, wo wir im besten Hostel unserer bisherigen Reise uebernachteten. Super Location direkt an einem Fluss, bequeme Betten in gepflegten Strohhuetten, gutes Essen und coole Leute, wer einmal dorthin kommen sollte: El Retiro ist ein heisser Tipp! Nachdem wir dort erst einmal das schoene Panorama an uns vorueberziehen liessen, indem wir mit Bierflaschen bestueckt in einem Reifen den Fluss hinuntertrieben, gings bei Sonnenuntergang zur Hoehle von Lanquin. Sobald es dort dunkel wird stroemen gleichzeitig tausende von Fledermaeusen aus der Hoehle. Wir setzten uns direkt in den Hoehlenausgang und nach einem langsamen Start gings dort bald ziemlich rund. Fledermausphobie sollte man zumindest keine haben, die Fotos geben einen kleinen Einblick was dort abging. Am naechsten Tag besuchten wir eine weitere Hoehle, diesmal mit einer Tour. Mit einer Kerze bestueckt erforschten wir das Innere, wobei wir staendig unterirdische Becken durchschwimmen mussten und schliesslich sogar einen kleinen Wasserfall hinaufklettern mussten. Bis auf die Kaelte also sehr eindruecklich (diesmal zwar keine Fledermaeuse, aber nichts fuer Leute mit Klaustrophobie). Am Nachmittag gings dann zu den wunderschoenen Naturbecken von Semuc Champey. Ueber zahlreiche kleine Wasserfaelle rinnt dort herrlich klares Wasser von Terasse zu Terrrasse. Die Becken laden ein zum Springen, Schwimmen oder nur gemuetlich herumliegen und sich von einem Wasserfall den Ruecken massieren zu lassen. Alpamare kann damit noch lang nicht mithalten!
Zum kulturellen Hoehepunkt gings im Anschluss nach Tikal. Mitten im Dschungel stehen dort die Ueberreste einer riesigen uralten ehemaligen Stadt der Maya (in ihrer Bluete zaehlte Tikal mehr als 200'000 Einwohner!). Von einem der groessten Tempel aus schauten wir uns den Sonnenaufgang an und konnten beobachten, wie andere Tempelspitzen, die ueber das Regenwalddach hinausragten, langsam aus dem Nebel hervorkamen. In einer Fuerhrung wurden uns dann das ganze Ausmass der Stadt naehergebracht. Viele Tempel sind noch ausgezeichnet erhalten und schauen im Gruen des Dschungels einfach grossartig aus.
Von Tikal, oder besser gesagt Flores, dem Ort in dem wir uebernachtet hatten, gings weiter zum Rio Dulce. Dieser verbindet einen grossen Binnensee mit der Karibikkueste Guatemals und stellt die einzige Verbindung der Stadt Livingston mit dem Hauptland Guatemalas dar. Auf einem Boot fuhren wir vorbei an zahlreichen Wochenendvillen der reicheren Guatemalteken durch Dschungel- und Mangrovenlandschaften dorthin. Dort bilden Schwarze den Grossteil der Einwohner, sie stammen von ehemaligen Sklaven ab, die von Jamaika und den Bay Islands an die Kueste kamen. Dementsprechend ist ihre Kultur dort auch ganz anders und hat mit den Maya im Hochland so gut wie gar nichts gemein. Einen kleinen Einblick bekamen wir durch eine traditionelle Fischsuppe zum Abendessen (kann mir jemand erklaeren, wie man einen ganzen unzerlegten Fisch, sowie zahlreiche Krabbenteile in einer Suppe schwimmen stilvoll verzehren kann?!) und ein Konzert einer lokalen Band (neben afrikanischen Trommeln war die Hauptinstrumente ein Schildkroetenpanzer und eine grosse Muschel) im Anschluss. Leider leben in Livingston auch zahlreiche Alkos und Junkies und deshalb war es auch nicht so schwer nach einem Tag bereits weiter zu ziehen. In einer langen Fahrt ging es per Faehre und Bus wieder nach Antigua, von wo wir am naechsten Tag nach El Salvador aufbrachen.
Und hier in El Salvador werden wir nun wohl auch die naechsten Tage bleiben und uns wieder ausgiebig dem Surfen widmen. In den ersten Versuchen hier wurde ich von den Wellen ganz schoen zerlegt, aber in den naechsten Tagen soll der Swell wieder etwas zurueckgehen, was hoffentlich wieder einige Fortschritte zulaesst!
Auf bald,
Bernhard
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